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Georg Herold

ado less sense

12.05.18 - 23.06.18

Eröffnung 11.05.18 - 19:00


Ado less sense ist keine Wortkreation von Georg Herold selbst. Sie ist nicht hinführend zu einem eindeutigen Sinn. Sie mag andeuten, dass von der Jugendlichkeit der Sinn abzuziehen ist, oder, dass die Jugend weniger Sinn enthält, oder einfach „Jugend“, nur kompliziert ausgedrückt. Wobei wir beim tatsächlichen Inhalt der Ausstellung sein könnten. Denn das komplexe Œuvre Georg Herolds muss ja irgendwann einen Anfang gehabt haben. Und tatsächlich ist die Altersspanne der Arbeiten weit. Sie reicht von kleinformatigen Leinwänden aus den späten 80er Jahren bis hin zu den aktuellsten Backsteinbildern aus dem Jahr 2018. Ado less sense scheint also einen Überblick zu geben. Darin ist das wohl bekannteste Element, die Dachlatte, omnipräsent. Sie steckt nicht nur als Keilrahmen ordentlich hinter den Malereien. Sie ist auch der wesentliche Bestandteil der Skulpturen, der sich nie erschöpft. Von der Wohltemperierten Aussicht, die mit den quadratischen Konventionen ihres Materials zu ringen scheint, über die Skulptur Leaking Man, eine Figur aus Dachlatten, die in ihrer eigenen Vitrine zerfließt, über die lasziv mit Leinwand bespannte, sich dehnende Frauengestalt, deren Oberkörper abrupt abgerissen ist, bis hin zu den gegossenen und gespritzten Formen die wieder rum von Dachlattenskulpturen herrühren. Ihnen gemein ist die Linie, die in der Natur der Dachlatte liegt, aber auch an die frühe Moderne, genauer an den Konstruktivismus denken lässt. Künstler wie Naum Gabo und sein Bruder Anton Pevsner wehrten sich in ihrem Manifest gegen den dekorativen Einsatz der Linie und verfochten ihren Einsatz zur Präzisierung der inneren Kraft-Richtungen im darzustellenden Körper. Diese Kraft zeigt sich in Georg Herolds Arbeiten in den Spannungen der überdehnten und sich verzehrend-verzerrten Körpern. Aber da ist noch mehr, da ist der Zwirn, der sich als Zeichnung zeigt, die Backsteine, die auf Leinwände und Kunstfell gemörtelt sind. Sie zeugen von einer Materialgerechtigkeit, die ihren Gegenstand ernst nimmt, ihn aus dem tradierten Nutzungszusammenhang löst und so dessen anderes Wesen auf lakonische, rohe und manchmal rotzige Art sichtbar macht. Das spannende ist, dass man den Arbeiten in der Gegenüberstellung ihr Alter nicht ansieht. So stehen Alt und Jung nebeneinander und wirken gleich adoleszent.