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DU Zhenjun

Babel und das Biest

04.06.20 - 08.09.20


DU Zhenjun wandelt Gemälde ab, die sich mit dem Mythos von Babel befassen; sie reichen von Cornelius Anthoniscz über Gustave Doré bis Brueghel. Für seine Werke verwendet DU Zhenjun Tausende von Bildern aus dem World Wide Web und wirft dabei die Frage nach der Zukunft der Menschheit auf, die Konflikten, Naturkatastrophen, Gewalt und Intoleranz ausgeliefert ist. Gott zerstört Babel nicht, um sich dem Fortschritt zu widersetzen, sondern um sich dem Stolz des Menschen und seinem Anspruch, den Himmel zu erreichen, entgegenzustellen. Babel steht für die rühmliche Sehnsucht nach einer Sprache, die alle teilen, aber auch für den Verlust der Vielfalt, gemäß Eri de Luca in seinem Buch The Olive Core. Das Biest ist die blinde Machtgier des Menschen, die ihn im Zeitalter der sozialen Netzwerke in die neue Ära des Anthropozäns bringt, in der sein Einfluss auf das Ökosystem der Erde verheerend und irreversibel ist.
Als Maler, Fotograf und Videograf nimmt DU Zhenjun diesen Gründungsmythos immer wieder von Neuem auf, so wie Dante die Kreise der Hölle durchreiste. Wie Jerome Bosch verleiht DU Zhenjun seinen Werken Humor und Ironie, um ihren dramatischen Charakter zu betonen. Wie die großen Meister fügt er ein paar Farbtupfer hinzu, oft rote, um seiner Arbeit noch mehr Spannung zu verleihen. Ebenso entsteht durch das Hinzufügen sich ähnelnder Personengruppen eine fragmentarische Darstellung jener Tragödie, die die Menschheit bedroht. DU Zhenjuns Werk ist die Veranschaulichung einer Welt in Not, die von finanziellen, ökologischen, gesundheitlichen und moralischen Krisen heimgesucht wird. Aber der Fall Babels ist auch, wie von Mallarmé beschrieben, der Beginn des Multikulturalismus und der Literatur, da Worte, die somit nicht mehr nur der Benennung von Gegenständen dienen, den Raum der Poesie und damit der Schönheit und der Harmonie öffnen.