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Andreas Slominski

Neue Arbeiten

08.09.18 - 27.10.18

Eröffnung 07.09.18 - 18:00


Ein kleines Styroporbild zeigt eine Frau, die man nur von hinten sieht. Sie nimmt Steine aus einer Mauer, blickt jedoch nicht an der freigelegten Stelle auf die andere Seite, sondern stapelt die Steine, um über den intakten Teil der Mauer herüberzusehen. Oder setzt sie die Steine in das Mauerloch, um Blicken von der anderen Seite zu entgehen? Die Frage bleibt offen, denn dies ist kein Bilderrätsel, sondern eine Einladung, sich zu wundern, zu zweifeln, genauer hinzusehen und sich darauf einzulassen, dass hinter jeder vorgefundenen Situation eine Handlung steht, die sie bedingt und dass diese anders aussehen könnte als man denkt.

Folgt man dieser Annahme, so bildet das kleine Bild auf der zarten Staffelei am Ende des Galerieraums einen starken Kontrast zu den Lagerregalen, die den Galerieraum vereinnahmen. Ihre skulpturale Präsenz strebt dem Himmel entgegen, wohin sie auch den Blick lenken. Effizienter lässt sich eine derartig gewaltige Konstruktion wahrscheinlich nicht errichten. Doch die Regalskulpturen gehen nicht in ihrer Effizienz auf. Der Versuch, die Handlungen zu lesen, die zum Aufrichten der monumentalen Strukturen geführt haben mögen, lenkt das Augenmerk auf die Details. Die Lochungen, in die sich die Zähne der Traversen krallen und so die Verbindungen zuverlässig fixieren. Sonderanfertigungen dieser Traversen setzen sich wie Misteln an die ordentlich aufgestellten Regalreihen, deren Rhythmus immer wieder durchbrochen wird. Analogien zu in Reih und Glied stehenden Tannenbäumen klingen an, Babyregale gesellen sich zu Riesenregalen, deren Fundament schlappohrige Doppel-T-Träger bilden. So wird das Regal zum skulpturalen Körper und löst sich von seiner ursprünglichen Funktion.

Andreas Slominski beweist mit seiner dritten Einzelausstellung in der Galerie Bärbel Grässlin auf ein weiteres, dass aus seinen Kooperationen mit Herstellern industrieller Produkte mehr hervorgeht als eine Neuinterpretation des Themas Ready Made. Das Material tritt zwar stets als Träger der Informationen seiner Bestimmung in Erscheinung, trägt diese jedoch nicht zur Schau, sondern lenkt mit seinen Umformulierungen das Augenmerk auf die Frage was diese Dinge noch gerne wären, wenn man sie nur ließe.