• Schäfergasse 46 B (Innenhof)
  • 60313 Frankfurt a.M. City
  • Adresse auf Google Maps
  • Di–Fr 10–18, Sa 10–14 Uhr u.n.V.
  • 069 - 2992 4670
  • 069 - 29924 6729
  • E-Mail
  • Homepage
  • U 4-7 / S 1-6, 8, 9 / Linie 12 / Bus 30, 36 "Konstablerwache"
  • K.-Adenauer-Str. / Karstadt
  • Künstler der Galerie
«ZURÜCK

Herbert Brandl

26.01.19 - 09.03.19


<div>Markus Oehlen - Ohne Titel, 2018, Acryl auf Leinwand, 210 x 175 cm</div>

Markus Oehlen - Ohne Titel, 2018, Acryl auf Leinwand, 210 x 175 cm

Markus Oehlen

10.11.18 - 19.01.19

Eröffnung 09.11.18 - 19:00


In Markus Oehlens Ausstellung werden Malereien zusammen gezeigt, die nicht nur neu, sondern auch sehr eng miteinander verwandt sind. 

Am frappierendsten sind wahrscheinlich die großformatigen rohen Leinwände, die aussehen wie das mäandernde Gekritzel eines Kugelschreibers, der sich während eines längeren Telefonats verselbstständigt, während das Ohr warm wird. Sie sind jedoch nicht gezeichnet, sondern gestempelt, mit Kordeln, die auf Platten getackert und eingefärbt wurden. Konstruierte Malerei aus Motiv-, Linien- und Strukturstempeln. Mit einer Hommage an den Vater, einem Illustrator der 50er Jahre, dem das Motiv des verzückend manierierten Blattes gewidmet wurde. Die Bilder sind in ihrer Farbigkeit stark reduziert und doch auf den ersten Blick als Malereien von Markus Oehlen zu erkennen. Ihre repetitiven Linien verballen sich zu Überlagerungen, die in ihrer Dichte gleichzeitig einen Bildmittelpunkt zu bilden und auszulöschen scheinen. Die Gemeinsamkeit zu den Kordelbilden ist schon ausgesprochen – Druck und Gegendruck quasi. Auch die Kordelbilder wurden weiterentwickelt. Zwischen ihren akribisch gezogenen Kreisen liegen Fotos von anderen Kordeln und von Zahnpasta auf dem Bildträger. Fotos sind auch der Ausgangspunkt der Leinwandarbeiten, die in den oberen Kuben gezeigt werden. Ihre Motive stammen aus Markus Oehlens Bildrepertoire, das unter Verwendung digitaler Fotofilter schrittweise verfremdet und mit graphischen Rasterschleiern zum Flirren gebracht wurde. Darüber Malerei, ohne Druck, sondern mit Pinsel, mit Farben, wie das Bild sie fordert und mit der Autorität Vorder- von Hintergrund zu trennen. Über ihre Oberfläche ziehen sich gestische Linien aus transparenter Strukturpaste und provozieren wieder neue Interferenzen.

Reflektiert verhandelt Markus Oehlen auf der Leinwand Fragen nach dem Verhältnis zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen analogen und digitalen Bildgebern und beweist damit abermals, dass die großen Themen der Malerei, Landschaft, Portrait und Stillleben ihm immer noch genügend Angriffsfläche bieten, um neu aufgemischt zu werden.

Am Eröffnungsabend:
20:00 Uhr Soundperformance

Andreas Slominski

Neue Arbeiten

08.09.18 - 27.10.18

Eröffnung 07.09.18 - 18:00


Ein kleines Styroporbild zeigt eine Frau, die man nur von hinten sieht. Sie nimmt Steine aus einer Mauer, blickt jedoch nicht an der freigelegten Stelle auf die andere Seite, sondern stapelt die Steine, um über den intakten Teil der Mauer herüberzusehen. Oder setzt sie die Steine in das Mauerloch, um Blicken von der anderen Seite zu entgehen? Die Frage bleibt offen, denn dies ist kein Bilderrätsel, sondern eine Einladung, sich zu wundern, zu zweifeln, genauer hinzusehen und sich darauf einzulassen, dass hinter jeder vorgefundenen Situation eine Handlung steht, die sie bedingt und dass diese anders aussehen könnte als man denkt.

Folgt man dieser Annahme, so bildet das kleine Bild auf der zarten Staffelei am Ende des Galerieraums einen starken Kontrast zu den Lagerregalen, die den Galerieraum vereinnahmen. Ihre skulpturale Präsenz strebt dem Himmel entgegen, wohin sie auch den Blick lenken. Effizienter lässt sich eine derartig gewaltige Konstruktion wahrscheinlich nicht errichten. Doch die Regalskulpturen gehen nicht in ihrer Effizienz auf. Der Versuch, die Handlungen zu lesen, die zum Aufrichten der monumentalen Strukturen geführt haben mögen, lenkt das Augenmerk auf die Details. Die Lochungen, in die sich die Zähne der Traversen krallen und so die Verbindungen zuverlässig fixieren. Sonderanfertigungen dieser Traversen setzen sich wie Misteln an die ordentlich aufgestellten Regalreihen, deren Rhythmus immer wieder durchbrochen wird. Analogien zu in Reih und Glied stehenden Tannenbäumen klingen an, Babyregale gesellen sich zu Riesenregalen, deren Fundament schlappohrige Doppel-T-Träger bilden. So wird das Regal zum skulpturalen Körper und löst sich von seiner ursprünglichen Funktion.

Andreas Slominski beweist mit seiner dritten Einzelausstellung in der Galerie Bärbel Grässlin auf ein weiteres, dass aus seinen Kooperationen mit Herstellern industrieller Produkte mehr hervorgeht als eine Neuinterpretation des Themas Ready Made. Das Material tritt zwar stets als Träger der Informationen seiner Bestimmung in Erscheinung, trägt diese jedoch nicht zur Schau, sondern lenkt mit seinen Umformulierungen das Augenmerk auf die Frage was diese Dinge noch gerne wären, wenn man sie nur ließe. 

<div>Manuel Ocampo - Tortas Imperiales, 2017, 300 x 200 cm, Öl, Acryl auf Leinwand</div>

Manuel Ocampo - Tortas Imperiales, 2017, 300 x 200 cm, Öl, Acryl auf Leinwand

Manuel Ocampo

30.06.18 - 01.09.18


Manuel Ocampos Imperiale Ohrfeige legt den Finger in die postkoloniale Wunde. Was auf den ersten Blick als grotesk-tabulose Blasphemie daherkommt, ist tatsächlich eine brilliante Aneignung von Positionen der Kunstgeschichte, die durch ihre Kombination mit Zitaten aus der Pop- und Satirekultur vielschichtige Narrationen eröffnet. 
So zeigt die in Grüntönen gehaltene Leinwand im Hauptraum der Galerie nicht nur die satirische Illustration des Gedichts The White Man‘s Burden von Rudyard Kipling, sondern auch einen theosophischen Kreis aus Quadern, die auf die Balikbayan Kartons anspielen, mit denen philippinische Migranten Präsente an die Lieben daheim schicken. Durch den Bildraum schweben gleichzeitig die Männlein, die in Ed Reinhardts Karikaturen Wohl und Wehe der abstrakten Moderne kommentieren. Nebenan, auf weißem Grund, tauft Präsident William McKinley ein wehrhaftes philippinisches Kind, während Kuba und Puerto Rico im Hintergrund eifrig die amerikanische Flagge anprobieren, um sich auf dem Siegertreppchen der besten Kolonien einen Platz zu sichern. Gesäumt wird die Szene von vier geometrischen Formen, eine Anspielung auf den Suprematismus, der das Bild zur Spielkarte werden lässt. Verknüpfungen von vermeintlichen Haupt- und Nebenhandlungen legen Fährten, die einander bildreich kommentieren. So kommen hier sowohl Allegorien aus dem Œuvre von Martin Kippenberger, Francis Picabia, Francisco de Goya, Paul Klee und Kasimir Malewitsch zum Einsatz als auch Charaktere aus Disneyfilmen und der Heavy Metal Szene. Schier endlos lassen sich diese Bilder vom zuerst erkannten Symbol oder Zitat so in die Tiefe lesen. 
Als nomadisch wird der Weg Manuel Ocampos, der auf den Philippinen geboren ist und in Kalifornien und Sevilla gelebt hat, gerne beschrieben, um darin den Ursprung seiner umfangreichen Ikonographie zu sehen. Die Galerie Bärbel Grässlin zeigt mit Tortas Imperiales die fünfte Ausstellung mit Manuel Ocampo, dessen Arbeiten unter anderem auf der documenta IX sowie auf der 49. Und 57. Biennale in Venedig zu sehen waren.  (Marina Rüdiger)

Georg Herold

ado less sense

12.05.18 - 23.06.18

Eröffnung 11.05.18 - 19:00


Ado less sense ist keine Wortkreation von Georg Herold selbst. Sie ist nicht hinführend zu einem eindeutigen Sinn. Sie mag andeuten, dass von der Jugendlichkeit der Sinn abzuziehen ist, oder, dass die Jugend weniger Sinn enthält, oder einfach „Jugend“, nur kompliziert ausgedrückt. Wobei wir beim tatsächlichen Inhalt der Ausstellung sein könnten. Denn das komplexe Œuvre Georg Herolds muss ja irgendwann einen Anfang gehabt haben. Und tatsächlich ist die Altersspanne der Arbeiten weit. Sie reicht von kleinformatigen Leinwänden aus den späten 80er Jahren bis hin zu den aktuellsten Backsteinbildern aus dem Jahr 2018. Ado less sense scheint also einen Überblick zu geben. Darin ist das wohl bekannteste Element, die Dachlatte, omnipräsent. Sie steckt nicht nur als Keilrahmen ordentlich hinter den Malereien. Sie ist auch der wesentliche Bestandteil der Skulpturen, der sich nie erschöpft. Von der Wohltemperierten Aussicht, die mit den quadratischen Konventionen ihres Materials zu ringen scheint, über die Skulptur Leaking Man, eine Figur aus Dachlatten, die in ihrer eigenen Vitrine zerfließt, über die lasziv mit Leinwand bespannte, sich dehnende Frauengestalt, deren Oberkörper abrupt abgerissen ist, bis hin zu den gegossenen und gespritzten Formen die wieder rum von Dachlattenskulpturen herrühren. Ihnen gemein ist die Linie, die in der Natur der Dachlatte liegt, aber auch an die frühe Moderne, genauer an den Konstruktivismus denken lässt. Künstler wie Naum Gabo und sein Bruder Anton Pevsner wehrten sich in ihrem Manifest gegen den dekorativen Einsatz der Linie und verfochten ihren Einsatz zur Präzisierung der inneren Kraft-Richtungen im darzustellenden Körper. Diese Kraft zeigt sich in Georg Herolds Arbeiten in den Spannungen der überdehnten und sich verzehrend-verzerrten Körpern. Aber da ist noch mehr, da ist der Zwirn, der sich als Zeichnung zeigt, die Backsteine, die auf Leinwände und Kunstfell gemörtelt sind. Sie zeugen von einer Materialgerechtigkeit, die ihren Gegenstand ernst nimmt, ihn aus dem tradierten Nutzungszusammenhang löst und so dessen anderes Wesen auf lakonische, rohe und manchmal rotzige Art sichtbar macht. Das spannende ist, dass man den Arbeiten in der Gegenüberstellung ihr Alter nicht ansieht. So stehen Alt und Jung nebeneinander und wirken gleich adoleszent.